Mätzchen für die Medien waren ihre Sache nie. Sie machte keine Schlagzeilen, sagte in Interviews meist nicht viel mehr als "ja" und "nein", und zeigte auf dem Platz weder Tränen noch Freudenausbrüche. Besonders das Fernsehen nahm ihr das oft übel, aber sie wollte immer mit ihrer Leistung überzeugen, nicht mit exotischen Trikots, bunten Fingernägeln oder Herumhampeln vor der Kamera.
Sabine Braun, geboren 1965 in Essen, trat in der Saison 2002 von der Bühne des Leistungssports ab - als eine der erfolgreichsten Athletinnen der Welt. Zum Abschluß holte sich die Frau, die von Reportern gern als "Grande Dame" des Siebenkampfes bezeichnet wird, mit 37 Jahren noch einmal die Silbermedaille bei der Europameisterschaft in München. Und wurde - endlich - von den 48.000 Menschen im Stadion so gefeiert, wie sie es schon immer verdient gehabt hätte.
Brauns Karriere begann 1982 auf ihrem ersten Mehrkampfmeeting in Düsseldorf. Zwei Jahre später, mit 19, startete sie zum ersten Mal bei olympischen Spielen und wurde in Los Angeles Sechste; 1992 holte sie die Bronzemedaille. Den Titel der Weltmeisterin erarbeitete sie sich 1991 und 1997, 1993 wurde sie Zweite. Sie war zweimal Europameisterin, hält den deutschen Rekord im Siebenkampf und holte sich mehrere deutsche Meistertitel, unter anderem auch im Weitsprung und über 100 m Hürden. Selbst, wenn sie nicht unter die ersten drei kam, war sie fast immer dicht dran.
Reich geworden ist die gelernte Industriekauffrau mit ihrem Sport nicht. "Dafür bin ich zu früh geboren". Und als die Zeit kam, in der SportlerInnen sich Manager nahmen, hatte man ihr bereits einen Stempel aufgedrückt, der sie als nicht marketingtauglich kennzeichnete. Braun ist keine extrovertierte Athletin; undenkbar, daß sie kurz vor dem Wettkampf Grimassen in die Kamera schneidet wie die junge Schwedin Carolina Klüft.
| Siebenkampf | ||
![]() Foto: Chai |
Der Mehrkampf der Frauen startete 1930 als Dreikampf; kurz darauf kamen noch zwei Disziplinen dazu. Als Siebenkampf wird er seit 1981 ausgetragen. Es gibt Bestrebungen, den Mehrkampf bei den Frauen wie bei den Männern als Zehnkampf auszutragen. | |
| 1. Tag: 100 m Hürden Hochsprung Kugelstoßen 200 m Lauf |
2. Tag: Weitsprung Speerwerfen 800 m Lauf |
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Daß sie in den 90er Jahren den Krebstod von Mutter und Schwester verkraften mußte, hat kaum jemand mitbekommen - und Braun war es sicher recht so. Im Jahr, als ihre Schwester starb, wurde die disziplinierte Siebenkämpferin Weltmeisterin in der Halle und im Freien. "Wie ich das geschafft habe, ist mir eigentlich bis heute unerklärlich", sagte sie im August 2002 in einem Interview mit der WAZ. "Es muss einen höheren Sinn gegeben haben. Wenn ich damals den Sport nicht gehabt hätte, wäre ich wahrscheinlich in der Gosse gelandet."
"Ich wollte mich nicht verbiegen lassen, nur um ein paar Kröten mehr zu verdienen ... Es ist schade, daß man nur Profit machen kann, wenn man in die Schablone nur hübsch oder hübsch und gut paßt. Wenn man das nicht ist, hat man eben Pech gehabt."
Selbst in ihrem letzten Wettkampfjahr - ihre langjährige Konkurrentin Jackie Joyner Kersee hatte sich schon vor langem vom Leistungssport verabschiedet - lag Braun auf Platz 2 der Weltjahresbestenliste. Welche andere Athletin kann schon sagen, daß sie fünf olympische Spiele miterlebt und sich zwanzig Jahre lang fast ununterbrochen in der Weltspitze gehalten hat? Keine.