Karin Janz war noch nicht einmal achtzehn Jahre alt, als sie bereits
in das Buch "Die Stars des Sports von A-Z" aufgenommen
wurde (erschienen 1970 bei der Carl Habel Verlagsbuchhandlung, Darmstadt/Berlin).
Dabei hatte sie bei Drucklegung des Buches noch keine ihrer fünf
turnerischen Erfindungen präsentiert, die ihr im internationalen "Code
de Pointage" bis heute zugeschrieben werden. Aber sie war 1969
Europameisterin an allen vier Geräten geworden (Boden, Schwebebalken,
Stufenbarren, Pferdsprung).
Die berühmteste ihrer vielen Turn-Erfindungen ist der sogenannte Janz-Salto: ein Grätschsalto vorwärts zwischen den Holmen des Stufenbarrens zum Hang am oberen Holm.
Dieser Salto war Teil der Übung, mit dem sie 1972 Olympiasiegerin wurde. 1972 war das Jahr ihrer größten Erfolge und das Jahr, in dem sie vom Leistungsturnen zurücktrat, um ihr Medizinstudium zu beginnen. Damals war sie zwanzig Jahre alt.
Heute ist das alles nur noch schöne Erinnerung, mehr nicht. Für die Medizinerin zählen jetzt ihre Erfolge am OP-Tisch, und auch da hat sie viele aufzuweisen. Gibt es einen roten Faden, der das Leben der Turnerin mit dem der Ärztin verbindet? Da ist Geduld, Ehrgeiz, Ausdauer, eine enorme Konzentrationsfähigkeit, die Kraft, auch Rückschläge einzustecken, und ein Quentchen Unzufriedenheit: "Ich bin ein Typ, der nicht auf der Stelle treten kann", sagte Büttner-Janz einmal in einem Interview. "Es muß immer vorwärtsgehen." Und: "Ich wollte immer alles zu Ende bringen, was ich einmal angefangen habe."
So hat sie auch in ihrem neuen Umfeld für internationales Aufsehen gesorgt. Gemeinsam mit Prof. Dr. Kurt Schellnack hat sie die künstliche Bandscheibe erfunden. Diese Konstruktion aus einem Plastikgleitkern und einer Metall-Legierung wird zwischen zwei Lendenwirbelkörper gesetzt, um dort die defekte Bandscheibe zu ersetzen. Im Unterschied zu konservativen Behandlungmethoden bleibt die Wirbelsäule dabei beweglich.
Die Operationsmethode, die 1984 zum ersten Mal angewandt wurde, ist mittlerweile
etabliert und wird weltweit in zweiundzwanzig Ländern durchgeführt.
Büttner-Janz ist seit vielen Jahren Direktorin der Klinik für Orthopädie im Vivantes Klinikum Hellersdorf in Berlin, wo sie nach wie vor selbst operiert. Ihr Privatleben bleibt privat. Mehr als ihr Geburtsdatum und ihre Leidenschaft fürs Skilaufen gibt keine Quelle preis. Begnügen wir uns also mit dem Wissen um ihre sportlichen und medizinischen Erfolge.
| Privatdozentin Dr. Karin Büttner-Janz tabellarisch | |
| 1952 | geb. am 17. Februar 1952 in Hartmannsdorf bei Cottbus. |
| Größe: 1,55 m. | |
| 20fache DDR-Meisterin. | |
| 1967 | Vize-Europameisterin am Stufenbarren. |
| 1968 | Silbermedaille bei den Olympischen Spielen am Stufenbarren, Bronzemedaille mit der Mannschaft. |
| 1969 | 4fache Europameisterin (Mehrkampf, Sprung, Stufenbaren, Balken), Vize-Europameisterin am Boden. |
| 1970 | Weltmeisterin am Stufenbarren, Vize-Weltmeisterin am Sprung und mit der Mannschaft. |
| 1972 | Olympiasiegerin an Sprung und Stufenbarren, Silbermedaille im Mehrkampf und mit der Mannschaft, Bronzemedaille am Balken. |
| 1984 | Erste OP, bei der ihre Erfindung, die künstliche Bandscheibe, eingesetzt wurde. |
| 1987 | Ehrenmitgliedschaft der Amerikanischen Orthopädischen Gesellschaft für Sportmedizin; Ehrenpreis des Olympischen Komitees "in Würdigung ihrer hervorragenden sportlichen und akademischen Laufbahn". |
| 2000 | Wahl zur Turnerin des Jahrhunderts. |
| 2003 | Aufnahme in die International Hall of Fame der TurnerInnen. |
