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„Sollen Weiber rudern?“ - Marianne Mahlberg, 1914-1981

 Von den Anfängen des Frauenruderns bis zu den Leistungen, die wir heute bei internationalen Wettbewerben bewundern können, war es ein langer, schwieriger Weg.

Der Ende des letzten Jahrhunderts eingeführte Gleitsitz der Boote galt für Frauen als unschicklich; die traditionelle Kleidung – lange Röcke und eng geschnürte Mieder – erschwerten jede körperliche Aktivität. Dennoch wurden Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten Frauenrudervereine gegründet. Es wurde dort zwar nicht mehr im Korsett gerudert, aber besonders praktisch und gesund war die Sportkleidung nicht. Frauen durften auch keine Rennen austragen – ihre Wettbewerbe fanden im „Stilrudern“ statt. Grazie und Anmut statt Schweiß und Anstrengung.

Die Mediziner bemühten wieder einmal die hanebüchensten Theorien, um Frauen vom Wettkampf abzuhalten. Da hieß es zum Beispiel, der „mit den Brüsten belastete flachere Brustkorb“ mache die beim Rennrudern geforderte durchgreifende Lungentätigkeit unmöglich. Außerdem sei bei Frauen wegen der geringeren Muskelmasse das Nervennetz weniger ausgeprägt, und die Willensübertragung auf die Muskulatur sei deshalb schlechter.

1921 fand endlich der erste offizielle Rennruderwettbewerb der Frauen statt. Im Dritten Reich wurde die körperliche Ertüchtigung der Frau aus ideologischen Gründen gefördert: starke, gesunde Frauen sollten starke, gesunde Söhne gebären, die zu tüchtigen Soldaten heranwuchsen. Das Rennrudern setzte sich durch, das Stilrudern verschwand aus dem Programm.

Ruderwettbewerbe gehören seit 1908 zum Programm der Olympischen Spiele. Frauen durften 1976 zum ersten Mal um olympisches Gold rudern. Die Europameisterschaften der Frauen werden seit 1954 ausgetragen, Weltmeisterschaften seit 1974. Bei den Frauen gibt es sechs Bootsklassen: Einer, Zweier ohne Steuerfrau, Doppelzweier, Doppelvierer, Achter und Leichtgewicht Doppelzweier. (Bei den Männern kommen Vierer ohne Steuermann und Leichtgewicht Vierer ohne Steuermann dazu.) Die Renndistanz beträgt 2000 m.

Nach dem Zweiten Weltkrieg schlugen die Sportmediziner wieder in dieselbe Kerbe wie zuvor. Noch 1962 wandte sich Professor Noack gegen das Rennrudern: “... bei dem schwachen Beckenboden der Frau kann [die Preßatmung] zu einer Eingeweidesenkung und einer Senkung der inneren Genitalorgane führen.“

Als Marianne Mahlberg das Rudertraining beim Kölner Club für Wassersport (KCFW) aufnahm, schrieb man das Jahr 1937. Die 1914 geborene Tochter eines Kohlenhändlers hatte das Gymnasium bis zur mittleren Reife besucht und seit ihrem Schulabschluß 1930 im Büro des elterlichen Betriebes gearbeitet.
Der Trainer setzte Marianne Mahlberg in einen Doppelvierer, der bei der jährlichen Rheinregatta startete. Das Boot gewann.

Nach einem Lehrgang 1938 entdeckte die Kölnerin jedoch das Einer-Skiffrudern und stieg vom Vierer auf das kleinere Boot um. Wie eine Besessene trainierte sie bei Wind und Wetter im Deutzer Hafen. Im Winter war dann aber kein Training im Freien mehr möglich. Man wich ins Bootshaus aus, wo die Sportlerinnen sich mit Ausgleichsübungen und Kastenrudern fit hielten.

Marianne Mahlberg hatte ein Ziel vor Augen: die Deutschen Frauen-Meisterschaften im Einer, Zweiter und Doppelvierer, die 1939 zum ersten Mal ausgetragen werden sollten. In einem packenden Rennen auf dem Elster-Flutbecken in Leipzig gewann sie schließlich auf der 1.000 m-Strecke vor den beiden Favoritinnen.

Bei ihrer Rückkehr wurde sie am Kölner Bahnhof mit einem großen Aufgebot empfangen und ins Bootshaus gebracht, wo die offizielle Begrüßung stattfand.

Nach ihrem Titel war es ihr sehnlichster Wunsch, „daß ich weiterhin gesund und frisch bleibe, um für meinen geliebten Kölner Club noch oft in den kommenden Jahren an den Start gehen zu können“. Ein Hüftleiden machte ihr jedoch einen Strich durch die Rechnung.

Mahlberg heiratete ihren Trainer, einen Kölner Eisenwarenfabrikanten, und unternahm viele Kurreisen in der Hoffnung, ihr Gesundheitszustand ließe sich stabilisieren. Anfang der sechziger Jahre mußte sie sich mehreren Operationen unterziehen, die aber keine Verbesserung brachten.

Das Ehepaar trennte sich. Ihr Mann blieb weiter dem Ruderverein verbunden, während Marianne Mahlberg sich langsam zurückzog, bis ihr Kontakt zu den alten RuderfreundInnen ganz abbrach. Als sie im April 1981 starb, war die Frau, die Kölner Rudergeschichte geschrieben hatte, in ihrer Heimatstadt längst vergessen.

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Sportlerinnen Porträts:

 

 

Ruderboote werden in Riemen- und Skullboote unterteilt. In einem Riemenboot wird jedes Ruder (Riemen) von nur einer Ruderin/einem Ruderer mit beiden Händen bewegt. In einem Skullboot bewegt jede Ruderin/jeder Ruderer zwei Ruder, die sogenanten Skulls.

Die Maße des Bootes hängen von der Bootsklasse ab. Bei Rennboten ist der Achter zum Beispiel 18,3 m lang, der Einer 7,3 m. Auch die Maße der Riemen und Skulls sind bootsklassenabhängig. Riemen messen 3,75 m bis 3,85 m; Skulls 2,92 bis 3 m.