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Nie den Willen verlieren
Gunda Niemann-Stirnemann - Eisschnelläuferin

Sie liebt die Farbe rot und die RomanheldInnen von Isabel Allende. Sie kommt ungem zu spät und läßt für Thüringer KIöße und Rouladen alles stehen.

Bei der Geburt am 7.9.1966 in Songerhausen in Thüringen hat sie es eilig; innerhalb von 20 Minuten ist das jüngste von fünf Geschwistem da. Schon früh gilt ihre Leidenschaft dem Sport: Handball, Tischtennis, Volleyball, Radsport, Schwimmen, Leichtathletik. Eines Tages soll sie sich für eine Sportart entscheiden. Eine ganze Nacht grübelt sie, dann wählt sie Volleyball.

Als eine Eignungsprüfung für die Sportschule stattfindet, besteht Gunda alle Prüfungen und hält die Aufnahme nur noch für eine Formsache, aber dann kommt die Ernüchterung. Sie würde höchstens 1,70 m groß werden, und das sei zu klein für eine Volleyballerin. Aber sie sei vielleicht für die Leichathletik geeignet. 1981 wechselt sie auf die Kinder- und Jugendsportschule Erfurt. Sie trainiert hart und hat erste Erfolge. Aber 1983 kommt die nächste kalte Dusche: Sie habe ihre Leistungsgrenzen in der Leichtathletik erreicht, heißt es. Aber sie könne an der Sportschule bleiben und sich zwischen Eisschnellaufen und Radfahren entscheiden.

Das erste Training findet mangels Eis auf Rollschuhen statt. Gunda schwankt und wackelt. Abends sitzt sie in ihrem Zimmer, versorgt die Blasen und denkt: Das wird nie was. Sie absolviert wochenlang Muskelaufbautraining. Als sie zum ersten Mal auf der Bahn steht, kommt sie sich vor wie "Pierre Richard auf dem Eis ... X-beinig, wacklig und unsicher". Die Trainingsschlittschuhe sind alt, die Kufen rostig. Sie kratzt damit übers Eis, von Gleiten keine Spur. Trainingskolleglnnen sparen nicht mit Spott. Nach zwei mühevollen Jahren darf sie an der Kinder- und Jugendspartakiade teilnehmen und gewinnt die 1.000m und 3.000m Strecken. Zwei Jahre später wird sie beim Weltcup in Berlin hinter Karin Kania, der zu dieser Zeit besten Läuferin weltweit, zweite. Nun stehen endlose Bahnkilometer, schmerzende Beine und vor allem Techniktraining im Mittelpunkt ihres Lebens.

"Ich könnte sicher auch so schnell laufen wie Gunda, wenn ich so hart wie sie trainieren würde. Aber dann wäre ich nach einer Woche tot."
(Emese Hunyadi, Olympiasiegerin)

Ihre Härte im Training bringt ihr den Spitznamen "Gunda Gnadenlos" ein. Es gebe aber auch Tage, meint sie, wo "Gunda Willenlos" eher zutreffe. Ihre zahlreichen Erfolge lassen jedoch vermuten, daß diese Tage eher selten sind. Kaum eine andere Läuferin ist so vielseitig und über einen langen Zeitraum so beständig gewesen wie sie. Für die Mehrkampftitel, die sie gewonnen hat, muß sie nämlich Sprint-, Mittel- und Langstrecken beherrschen. Zwölfmal hat sie außerdem den Gesamtweltcup gewonnen, mit dem die beste Leistung einer gesamten Saison ausgezeichnet wird.

Natürlich gab es auch Mißerfolge; die Wende und Neuorganisation des Sportsystems waren ein massiver Einschnitt in ihrem Leben, es gab Gesundheitsprobleme, der Umstieg auf den neuen Klappschlittschuh war zu bewältigen. Aber wenn die Konkurrenz sich schon freute, war Gunda Niemann plötzlich wieder da.

"Freude haben an dem, was man tut. Sich selbst treu bleiben. Und nie den Willen verlieren"
(Gunda Niemann auf die Frage nach ihrem Lebensmotto)

Als Belastung empfindet sie es, von den Medien als "Goldbank" betrachtet zu werden. Erfolg zu haben sei gar nicht so schwer, meint sie, ihn zu wiederholen jedoch viel schwieriger. Gunda Niemann hat diese Schwierigkeiten oft gemeistert. Als einzige Frau der Welt erhielt sie den begehrten "Eisoscar" des Osloer-Skoiteclubs - und das gleich drei mal (1995, 1996 und 1997). 1995 wurde sie in der ARD zur Sportlerin des Jahres gewählt. 1999 wählte man sie sogar zur Eisschnellläuferin des Jahrhunderts. Wie lang sie noch laufen wird? "Ich denke nur noch von Saison zu Saison, obwohl Olympia 2002 schon in meinem Kopf ist", sagte sie nach der Preisverleihung in einem Interview.

Zum Olympiastart 2002 kam es dann aber nicht, weil Gunda schwanger wurde. Die Konkurrenz, die an einen endgültigen Abschied von Gunda glaubte, hat aber auch diesmal das Nachsehen. Nach der Geburt von Tochter Victoria hat sie hart an ihrem Comeback gearbeitet. Und in diesem Jahr steht sie wieder auf dem Eis. Gnadenlos eben.

Wer mehr über Gunda Niemann erfahren will, kann das in ihrem Buch "Ich will. Traumkarriere mit Tränen und Triumphen". Die nächsten Wettkampftermine, Fotos, Kommentare zu ihren aktuellen Leistungen und vieles mehr ist auf ihrer Website "www.gundaniemann.de" zu finden.

Größte Erfolge (Stand: Dezember 2003)
3 x Olympisches Gold
3 x Olympisches Silber
1 x Olympische Bronze
8 x Weltmeisterin im Mehrkampf
11 x Weltmeisterin in einer Einzeldisziplin
19 Siege im Gesamtweltcup
19 Weltrekorde
8 Europameistertitel

 

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Sportlerinnen Porträts:

 

 

© Foto: Gunda Niemann Werbeagentur GmbH

 

 

 

 

 

 

 

 

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