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Wer ist hier die Pfeife?

Fußballdeutschland hat einen neuen Aufreger: Bibiana Steinhaus. Dabei tut sie eigentlich nichts Besonderes. Oder doch?


Foto: Thomas Lohnes DDP

Es war dem Deutschen Fußballbund eine Pressekonferenz wert, dass ab der Saison 2007/2008 erstmals eine Schiedsrichterin in der Zweiten Bundesliga der Männer auf dem Platz stehen wird. Steinhaus ist seit 2004 dort Linienrichterin, pfeift die Spiele der Frauenbundesliga seit sieben Jahren. Anlässlich Steinhaus’ Aufstieg übertrumpften die Medien sich gegenseitig mit originellen Überschriften: im Darmstädter Echo hieß es >22 Männer tanzen nach ihrer Pfeife<, der Stern titelte >“Blondes Gift“ mit Pfiff<, und die Welt am Sonntag ließ sich zu >Alle Macht dieser Frau< hinreißen. Selbst die pseudoemanzipatorische Brigitte kürte Frau Steinhaus zur Frau der Woche, „weil sie künftig die Männer in der 2. Bundesliga nach ihrer Pfeife tanzen lässt“. Genug der ausgelutschten Klischees.


Foto: Wotke

Bibiana Steinhaus, Jahrgang 1979, wäre gern selbst Profifußballerin geworden, fand ihre Leistung selbst aber „nicht wirklich Erfolg versprechend“. Die Polizeikommissarin schätzt Recht und Ordnung und die Einhaltung der Regeln. Durch ihre Größe von 1,81 m kann sie mit den Spielern auf Augenhöhe kommunizieren. Und sie rechnet nicht damit, dass es Schwierigkeiten mit den Fußballprofis gibt: „In den oberen Ligen ist der Umgang anders. Die Spieler präsentieren sich anders, weil ihre Arbeitsplätze davon abhängen. Die verbale Hemmschwelle ist eine andere als auf Kreis- und Bezirksebene. Dort haben die verbalen Entgleisungen und körperlichen Übergriffe zugenommen.“ Sicher trägt auch die Fernsehpräsenz in den oberen Ligen dazu bei, dass Spieler und Trainer ruhiger und professioneller sind. Die Fans sind da eher ein Problem, denn ewig Gestrige gibt es reichlich. Von denen lässt sich Steinhaus, die wie ihre männlichen Kollegen in der Ober- und Regionalliga regelmäßig beschimpft wurde, nicht aufhalten. Auf der Pressekonferenz erklärte sie: „Ich will konsequent mit den Teams umgehen und kommunikativ sein. Der Anspruch an meinen eigenen Perfektionismus ist hoch. Wo mich das hinführt, weiß ich nicht.“ In die erste Liga, wollen wir doch mal hoffen.

Übrigens: Nach all dieser Medienaufregung hat mich die Reaktion der Fußballzeitung Kicker dann doch überrascht: >Bibiana Steinhaus vor dem Aufstieg< stand da. Keine Haarfarbe, kein humoriger Spruch, keine Anspielung auf ihre Figur. Nur die Fakten. Na bitte – geht doch.
Dann mal alles Gute, Frau Steinhaus!

Im DFB sind 80.000 Schiedsrichter registriert; zwei Prozent davon sind Frauen. Bei der Ausbildung werden keine Unterschiede zwischen Frauen und Männern gemacht; beide müssen die gleichen körperlichen Leistungen erbringen. Schiedsrichter in den oberen Ligen sein ist Leistungssport.

 

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Foto: DPA